Die Künstlerin nebenan
Lukas späht durch das Fenster seines Zimmers und sieht die neue Nachbarin im Haus nebenan. Sie trägt einen großen Hut und hat immer eine bunte Tasche bei sich. Lukas fragt sich, was sie wohl darin hat. Eines Tages sieht er, wie sie in den Garten geht, eine Staffelei aufstellt und ein leeres Bild darauf platziert. Neugierig schleicht er sich näher heran, versteckt sich hinter einem Busch und schaut, was sie macht.
Die Nachbarin beginnt zu malen und Lukas kann seinen Augen kaum trauen. Mit schnellen Pinselstrichen zaubert sie eine wunderschöne Landschaft auf die Leinwand. Die Farben leuchten und tanzen, als ob sie lebendig wären. Lukas ist fasziniert. Er hat noch nie jemanden so malen sehen. Er traut sich noch nicht, sie anzusprechen, aber beschließt mehr über die geheimnisvolle Künstlerin herauszufinden.
Am nächsten Tag nimmt Lukas all seinen Mut zusammen und klopft an ihre Tür. Die Nachbarin öffnet und lächelt freundlich. "Hallo, ich bin Lukas und wohne gleich nebenan". "Hallo Lukas, ich bin Amelie", stellt sie sich vor. Lukas stottert ein wenig, aber dann sprudeln die Worte aus ihm heraus: "Ich habe Sie gestern im Garten malen sehen. Das war unglaublich! Können Sie mir das beibringen?"
Amelie lacht herzlich. "Natürlich, Lukas! Kunst ist etwas Wunderbares, das man teilen sollte." Sie lädt ihn ein, am nächsten Tag vorbeizukommen, um mit dem Malen zu beginnen.
Lukas kann es kaum erwarten. Als er am nächsten Tag bei Amelie ankommt, zeigt sie ihm ihre Sammlung von Pinseln und Farben. "Jeder Pinsel hat seine eigene Persönlichkeit", erklärt sie. "Und jede Farbe erzählt eine Geschichte." Lukas ist begeistert und wählt einen kleinen, feinen Pinsel und ein paar leuchtende Farben aus.
Amelie zeigt ihm, wie man den Pinsel hält und die Farben mischt. "Malen ist wie Musik", sagt sie. "Du musst den Rhythmus finden." Lukas probiert es aus und merkt schnell, dass es gar nicht so einfach ist, wie es bei Amelie aussieht. Doch sie ermutigt ihn, nicht aufzugeben.
In den nächsten Wochen verbringt Lukas jede freie Minute im Garten von Amelie. Er lernt, wie man Schatten und Licht malt und wie man mit Farben Gefühle ausdrückt. Amelie erzählt ihm Geschichten über berühmte Künstler und zeigt ihm Bilder, die sie auf ihren Reisen gemalt hat. Lukas ist fasziniert und träumt davon, eines Tages selbst ein großer Künstler zu werden.
Ein paar Tage später, als sie zusammen im Garten sitzen, fragt Lukas: "Warum haben Sie sich entschieden, hierherzuziehen?" Amelie lächelt geheimnisvoll. "Ich wollte einen Ort finden, an dem ich in Ruhe malen kann und vielleicht jemanden treffe, der genauso begeistert von der Kunst ist wie ich." Lukas fühlt sich geschmeichelt und dankt ihr für alles, was sie ihm beigebracht hat.
Bald darauf organisiert Amelie eine kleine Ausstellung in ihrem Garten. Lukas darf seine Bilder neben ihren aufhängen. Die Nachbarn kommen, um die Kunstwerke zu bewundern und Lukas ist stolz, als er sieht, wie die Leute seine Bilder loben.
Am Ende des Tages sitzt Lukas mit Amelie auf der Veranda und schaut in den Himmel. "Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel lernen würde, vielen Dank für alles", sagt er. Amelie legt den Kopf leicht schräg und sagt: "Du hast ein großes Talent, Lukas. Und das Wichtigste ist, dass du nie aufhörst zu träumen."
Lukas lächelt und weiß, dass er eine wunderbare Freundin und Lehrerin gefunden hat. Er ist dankbar für diese tolle Nachbarin, die ihm die Welt der Kunst eröffnet hat. Und während die Sterne am Himmel erscheinen, malt Lukas in Gedanken schon sein nächstes Bild.