Biancas Regenwurm-Rettung
Die Sonne scheint nach einem großen Regenschauer endlich wieder. Bianca hüpft in ihren gelben Gummistiefeln durch die Pfützen, die der Regen hinterlassen hat. Plitsch, platsch, macht es bei jedem Sprung. Doch plötzlich bleibt sie stehen. Auf dem Gehweg schlängeln sich drei kleine Regenwürmer, die sich in der Sonne kringeln und winden. "Oh je", denkt Bianca, "die brauchen bestimmt meine Hilfe!"
Mit einem entschlossenen Blick beugt sie sich hinunter und hebt vorsichtig den ersten Regenwurm auf. Er fühlt sich kühl und ein bisschen glitschig an, aber das stört Bianca nicht. "Keine Sorge, kleiner Freund", flüstert sie, "ich bringe dich zurück nach Hause."
Mit dem Regenwurm in der Hand läuft sie zur nächstgelegenen Wiese. Dort gräbt sie mit einem Stock ein kleines Loch und setzt den Wurm hinein. "Hier bist du sicher", sagt sie zufrieden.
Bianca kehrt zu den beiden anderen Regenwürmern zurück, die ihre Hilfe brauchen. Sie macht sich an die Arbeit, erst den einen, dann den anderen zu retten. Beiden buddelt sie auch ein kleines Loch, ein neues Zuhause.
Während sie arbeitet, stellt sich Bianca vor, dass die Regenwürmer sich bedanken. Vielleicht, denkt sie, bekommt sie einen kleinen Regenwurm-Orden. Oder die Würmer singen ihr ein leises Regenwurmlied, das nur die aufmerksamsten Ohren hören können.
Zur Sicherheit schaut sie nochmals auf den Weg und findet tatsächlich noch einen letzten Wurm, einen besonders kleinen. Den hat Bianca direkt besonders in ihr Herz geschlossen. Er kringelt sich um ihren Finger, als wollte er nicht loslassen. "Du bist ein anhänglicher kleiner Abenteurer, was?", fragt sie und lacht. "Aber jetzt musst du zurück zu deinen Freunden." Sie setzt auch ihn behutsam in die Erde und winkt allen Vieren zum Abschied.
Nach dieser kleinen Rettungsaktion fühlt sich Bianca wie eine kleine Heldin. Sie stellt sich vor, wie die Regenwürmer unter der Erde ein Fest feiern, mit winzigen Tischen und Stühlen aus Stöcken und einem großen Kuchen aus Erde und Blättern.
Der Himmel ist jetzt klar und die Sonne scheint warm auf Biancas Gesicht. Sie spürt, dass sie etwas Gutes getan hat. Vielleicht, denkt sie, wird die Erde mit den Würmern jetzt ein bisschen glücklicher sein. Und vielleicht, nur vielleicht, wird diese Wiese bald noch schöner blühen, wenn die kleinen Gartenhelfer ihre Arbeit machen.
Auf dem Heimweg hüpft Bianca wieder durch die Pfützen. Plitsch, platsch, plitsch, platsch. In ihrem Herzen trägt sie das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben. Und wer weiß, vielleicht werden die Regenwürmer eines Tages ihre Retterin besuchen. Man sieht sich ja immer mindestens zweimal im Leben, so heißt ein altes Sprichwort.
Der Tag neigt sich dem Ende zu und Bianca spürt, dass sie heute nicht nur Regenwürmer gerettet hat, sondern auch ein Stückchen der Welt ein bisschen besser gemacht hat. Und das ist ein schönes Gefühl.