Das gebrochene Versprechen
Tom betrachtet den Kaktus, der in seinem bunten Topf auf der Fensterbank steht. Alles in Ordnung. Der Kaktus heißt Stachelbert und ist der ganze Stolz von Toms Schwester, Lila. Sie hat Tom gebeten, auf Stachelbert aufzupassen, während sie bei ihrer Freundin übernachtet. Tom hat natürlich versprochen, dass er gut auf den Kaktus achtgeben wird.
Doch als Tom am nächsten Morgen in Lilas Zimmer kommt, sieht er, dass Stachelbert in sich zusammengefallen ist. Die grünen Arme hängen schlaff herunter und der Kaktus sieht alles andere als gesund aus. Tom reibt sich die Augen. "Oh nein, was mache ich jetzt nur?", murmelt er.
Tom überlegt fieberhaft. Er könnte den Kaktus einfach wegwerfen und hoffen, dass Lila nichts bemerkt. Aber das wird niemals klappen, Stachelbert sieht wirklich krank aus. Da hat Tom eine Idee. Er schnappt sich seine Bastelkiste und beginnt zu werkeln. Mit Kleber, Draht und ein paar grünen Filzstücken bastelt er eine Art Stütze für den Kaktus. Vorsichtig richtet er die Arme von Stachelbert auf und befestigt sie mit dem Draht. Die Filzstücke verdecken die Drähte geschickt. Dann gibt er noch Dünger in die Erde. "Das sollte reichen", sagt Tom zu sich selbst und tritt einen Schritt zurück, um sein Werk zu begutachten. Stachelbert sieht fast aus wie neu, na ja mit ein paar Metern Abstand zumindest. Doch Tom atmet erleichtert auf.
Als Lila später nach Hause kommt, bemerkt sie zuerst nichts. Sie begrüßt Stachelbert im Vorbeigehen und erzählt ihm von ihrem Abenteuer bei der Freundin. Tom beobachtet sie aus dem Augenwinkel und hofft, dass der reparierte Stachelbert nicht umkippt.
Ein paar Stunden später jedoch entdeckt Lila, dass Stachelbert nicht mehr so aussieht wie früher. Sie entdeckt die Konstruktion, mit der er aufgerichtet wurde und natürlich ist ihr direkt klar, wer die gebastelt haben muss. "Du Tom, sag mal, ... ist dir an Stachelbert irgendetwas aufgefallen?", fragt sie mit einem Stirnrunzeln. Tom zögert, aber dann erzählt er ihr die Wahrheit. "Stachelbert ist einfach zusammengefallen. Ich wollte mein Versprechen halten und habe dann versucht, ihn zu reparieren."
Lila schaut den Kaktus nachdenklich an. "Weißt du, vielleicht habe ich ihn in letzter Zeit zu viel gegossen. Wahrscheinlich ist er deswegen kaputtgegangen." Sie lächelt Tom an. "Danke, dass du dich so bemüht hast ihn zu retten."
Tom ist erleichtert. Gemeinsam beschließen sie, Stachelbert in einen neuen Topf zu pflanzen und ihm einen besseren Platz zu geben. Sie stellen ihn auf den Balkon, wo er mehr Licht bekommt. Lila gießt ihn nur noch vorsichtig und Tom hilft ihr wo er kann. Ein paar Wochen später sprießen neue, kleine Stacheln aus Stachelbert und er sieht gesünder aus als je zuvor. Lila und Tom freuen sich über ihren Erfolg und sind stolz auf ihre Teamarbeit.
"Weißt du, Tom", sagt Lila eines Tages, "manchmal braucht es zwei Leute, um ein Problem zu lösen." Tom nickt. "Und manchmal braucht es auch ein bisschen Draht und Filz", fügt er mit einem Grinsen hinzu.
Die Geschwister lachen und schauen zu, wie Stachelbert in der Sonne wächst. Sie wissen auch, dass sie sich immer aufeinander verlassen können, egal was passiert. Und so endet die Geschichte von Tom, Lila und Stachelbert, dem kleinen Kaktus.