📅Donnerstag, 29. Januar 2026
5 Minuten

Der Nebelpoet

Seraph ist ein außergewöhnlicher Geschichtenerfinder. Nicht mit Tinte und Papier, sondern mit den Nebelschwaden der frühen Morgenstunden zeichnet er seine Geschichten in die Luft. In der geheimnisvollen Welt von Nebelheim, wo die Hügel von Wolken umarmt werden, ist Seraph bekannt für seine lebendigen Erzählungen. Jeden Morgen laufen Kinder durch die nebligen Felder, lauschen seinen Worten und staunen über die Bilder die er mit Nebel erschafft.

Doch eines Tages fühlt Seraph etwas Seltsames. Seine Fantasie, die Quelle seiner zauberhaften Geschichten, scheint zu verblassen. Die Worte, die sonst wie bunte Schmetterlinge aus ihm herausfliegen, bleiben stumm. Der Nebel, einst sein treuer Begleiter, hängt träge über ihm. Seraph ist traurig und zieht sich in seine kleine Hütte am Rande des Waldes zurück.

"Vielleicht ist meine Zeit vorbei", murmelt er, während er durch das Fenster schaut. Der Nebel draußen tanzt, als wolle er ihn aufmuntern, aber Seraph kann die Einladung nicht annehmen, ihm fällt einfach nichts mehr ein.

Die Zeit vergeht und die Kinder von Nebelheim vermissen Seraphs Geschichten schon sehr. Eines Nachmittags beschließen sie, ihn zu besuchen. Angeführt von dem neugierigen Jungen Timo und der klugen kleinen Liora, klopfen sie an Seraphs Tür. "Wir vermissen deine Geschichten, Seraph", sagt Liora mit einem Lächeln.

Seraph seufzt. "Meine Fantasie ist leider verloren gegangen", erklärt er leise. Doch Timo macht einen Vorschlag: "Vielleicht können wir deine Fantasie gemeinsam wiederfinden", schlägt er vor und seine Augen leuchten vor Abenteuerlust.

Die Kinder und Seraph begeben sich auf eine Reise, um die verlorene Fantasie zu finden. Sie wandern durch den Nebelwald, wo die Bäume wie uralte Riesen stehen. Alle lauschen den Geschichten, die der Wind flüstert, doch auch das facht das Feuer der Geschichten in Seraph nicht wieder an. Sie beobachten die funkelnden Tropfen, die von den Blättern fallen, nichts. Doch dann, langsam beginnt Seraph sich zu erinnern, warum er Geschichten so liebt.

Plötzlich hören sie ein leises Lachen. Es ist das Glitzermurmeltier, ein freches kleines Wesen, das sich im Nebel versteckt. "Ihr sucht nach Fantasie?", fragt es neckisch. "Die Fantasie ist nie verloren. Sie versteckt sich nur manchmal an unerwarteten Orten." Seraph lächelt, erstmals seit langem.

Das Glitzermurmeltier hüpft flink zwischen den Nebelschwaden hindurch und dreht sich dann zu Seraph um. "Kommt mit mir!", piepst es, und die Kinder und Seraph folgen ihm neugierig. Sie gelangen zu einer kleinen Lichtung, die vom Nebel wie ein geheimnisvoller Vorhang umhüllt ist. In der Mitte der Lichtung steht ein uralter Baum, dessen Äste durchsichtig wie Glas sind.

"Hier", sagt das Glitzermurmeltier, "hier zum Beispiel versteckt sich viel Fantasie."

Seraph tritt vorsichtig näher. Zuerst sieht er nur die schimmernden Tropfen am Baum, doch dann bemerkt er kleine Lichtfunken, die in der Luft tanzen. Sie wirbeln um ihn herum, flüstern leise Worte und malen Bilder von fernen Welten, mutigen Abenteurern und lachenden Tieren. Seraph spürt, wie Geschichten in seinem Kopf erwachen - seine Fantasie kehrt zurück. Die Kinder jubeln. "Sieh nur, Seraph!", ruft Timo. "Deine Geschichten, sie beginnen wieder zu leben!"

Seraph lächelt und streckt die Hände aus. Die Geschichten tanzen wie lebendige Nebelschwaden zwischen seinen Fingern. Er beginnt zu erzählen, zuerst leise, dann immer lauter, seine Worte malen Bilder in die Luft, so klar und farbenfroh wie zuvor. Die Nebelschwaden formen Drachen, fliegende Boote und funkelnde Burgen. Die Kinder lachen und klatschen vor Freude.

"Manchmal", erklärt das Glitzermurmeltier, "muss man nur den Mut haben, die Welt mit offenen Augen zu sehen. Dann findet man selbst die verloren geglaubte Fantasie wieder."

Seraph nickt. "Danke, dass ihr mich daran erinnert habt. Fantasie ist wirklich nie verloren - sie wartet manchmal nur darauf, an neuen Orten wieder entdeckt zu werden."

Von diesem Tag an erzählt Seraph seine Geschichten wieder allen Kindern von Nebelheim. Alle, die durch die nebligen Hügel wandern, lauschen seinen Worten gerne. Auch der Nebel selbst scheint mit jedem Atemzug neue Geschichten zu flüstern, als ob er wüsste, dass Fantasie nur dann wirklich lebt, wenn man sie teilt.

Und irgendwo, tief im Nebelwald, kichert ein kleines Glitzermurmeltier ganz zufrieden vor sich hin.

Wie sieht das Glitzermurmeltier in deiner Fantasie aus?

Gute N8i

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Der Nebelpoet

Das Schlaflied zur Geschichte 💫


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Zusammenfassung & Lektion 📌

Wie ein Regenbogen am Himmel bringt diese Geschichte Farbe in den Alltag und entführt dich in die zauberhafte Welt von Nebelheim. Hier, wo die Hügel von Wolken umarmt werden, lebt Seraph, ein außergewöhnlicher Geschichtenerfinder, der mit den Nebelschwaden des Morgens lebendige Erzählungen in die Luft malt. Doch eines Tages verblasst seine Fantasie und die bunten Geschichten bleiben stumm. Die Kinder von Nebelheim, angeführt von dem neugierigen Timo und der klugen Liora, vermissen seine Abenteuer und beschließen, Seraph zu helfen. Gemeinsam begeben sie sich auf eine magische Reise durch den geheimnisvollen Nebelwald, wo sie das freche Glitzermurmeltier treffen. Dieses kleine Wesen zeigt ihnen, dass Fantasie nie wirklich verloren geht, sondern sich nur manchmal an unerwarteten Orten versteckt. Die Geschichte lehrt Kinder, den Mut zu haben, die Welt mit offenen Augen zu sehen und die Fantasie in sich selbst zu entdecken. Diese Gute-Nacht-Geschichte ist nicht nur ein Abenteuer voller Freundschaft und Magie, sondern auch eine inspirierende Vorlesegeschichte, die die Vorstellungskraft anregt und Kinder ermutigt, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Lass dich von Seraphs neu erwachter Fantasie verzaubern und erlebe, wie Geschichten lebendig werden, wenn man sie teilt.