Die Mäuse und der Käsekomet
Fred steht mitten auf der Lichtung und starrt in den Himmel. Der Käsekomet, von dem alle im Mäusedorf sprechen, zieht einen leuchtenden käsegelben Schweif hinter sich her. Fred ist ein Kind, das nie stillstehen kann. Seine Füße wippen ständig, als wollten sie immer weiterlaufen, selbst wenn er schläft. Heute aber hält ihn der Anblick des Kometen gefangen und er schaut ruhig und gebannt nach oben. Er hat gehört, dass der Komet aus purem Käse besteht und das lässt seinen Magen knurren.
Neben ihm steht Saskia, seine beste Freundin. Sie kaut nachdenklich auf einem Grashalm und schielt zu Fred hinüber. "Was, wenn wir ihn erreichen könnten?", fragt sie plötzlich. Fred blinzelt und seine Gedanken wirbeln wie Herbstblätter im Wind. "Du meinst, wir könnten ein Stück vom Kometen probieren?"
"Genau das meine ich", antwortet Saskia, ihre Augen funkeln wie zwei kleine Sterne. "Wir bauen eine Rakete. Aus all den Sachen, die wir finden können."
Fred nickt, seine Füße beginnen wieder zu wippen. Er liebt es, Dinge zu bauen. Vor allem aus Sachen, die für andere nutzlos sind. Alte Bretter, verbeulte Eimer, ein kaputter Regenschirm. Alles kann zu etwas Großartigem werden, wenn man nur daran glaubt und die richtige Schraube hat.
Ein paar Tage später, in einer Ecke des Gartens, steht eine seltsame Konstruktion. Die Rakete ist etwas schief, aber das ist nicht weiter schlimm. "Bereit für den Start?", ruft Fred schon bald, obwohl er selbst nicht sicher ist, ob das alles wirklich funktionieren kann. Er spürt ein Kribbeln im Bauch, eine Mischung aus Aufregung und Zweifeln.
Saskia nickt und sie klettern hinein. "Zehn, neun, acht...", zählt Fred, als ob die Zahlen sie tatsächlich in den Himmel katapultieren könnten. Bei "eins" drückt er auf einen alten roten Knopf, der einmal zu einem Spielzeugauto gehört hat. Nichts passiert. Ein Moment der Stille, dann bricht Saskia in Lachen aus. Fred kann nicht anders und stimmt mit ein. "Vielleicht sollten wir noch ein paar Schrauben festziehen", schlägt Saskia vor, während sie aus der Rakete klettern.
In der Nacht liegt Fred wach und denkt an den Kometen. Er fragt sich, ob er wirklich aus Käse besteht. Und wenn ja, welche Sorte? Vielleicht Gouda, oder Emmentaler? Das wäre perfekt! Er dreht sich zur Seite und schläft schließlich ein, er träumt von einer Welt, in der alles möglich ist.
Am nächsten Tag geht es weiter. Die beiden verbessern die Rakete und probieren neue Ideen aus. Manchmal streiten sie ein bisschen wie es gemacht werden soll, aber das gehört dazu. Schließlich ist es nicht einfach, eine Rakete zu bauen. Doch jedes Mal, wenn sie einen Fehler machen, lernen sie etwas Neues. Wie beim Spielen im Matsch, wo man erst herausfindet, wie tief eine Pfütze ist, wenn man hineinspringt.
Am Abend, als die Sonne untergeht, sitzen sie wieder einmal auf der Lichtung und schauen zum Himmel. Der Komet ist noch da, sein Schweif zieht sich wie eine Spur aus Gold durch die Dunkelheit. "Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, ob wir ihn erreichen", sagt Fred schließlich. "Vielleicht ist es wichtiger, dass wir es zusammen versucht haben." Er reicht Saskia ein Stück Emmentaler Käse, die es dankend annimmt.
Saskia lächelt und legt ihren Kopf auf seine Schulter. "Vielleicht hast du recht", murmelt sie und schließt die Augen. Fred spürt die Ruhe der Nacht um sich herum und seine Füße sind still. Zum ersten Mal genießt er den Moment, ohne an das nächste Abenteuer zu denken.
Doch tief in seinem Herzen weiß Fred, dass der Komet auf ihn und Saskia wartet. Und irgendwann schaffen sie es vielleicht doch noch ein kleines Stück von ihm abzubeißen. Irgendwann.