Die Wichtelwerkstatt im Schnee
Paul stapft durch den knirschenden Schnee. Seine Stiefel hinterlassen tiefe Spuren hinter ihm. Der Winterwald um ihn herum ist ein einziger Zauber, mit glitzernden Eiszapfen, die von den Ästen hängen. Plötzlich bleibt er stehen. Etwas Ungewöhnliches zieht seine Aufmerksamkeit auf sich. Zwischen den schneebedeckten Tannen blitzt ein schwaches, goldenes Licht hervor. Neugierig zwängt sich Paul durch die dichten Sträucher, bis er vor einer kleinen, hölzernen Tür steht, die halb von Schnee bedeckt ist.
Vorsichtig drückt er die Tür auf und tritt in einen Raum, der wie aus einem Märchenbuch erscheint. Die Luft duftet nach Zimt und frisch gebackenen Keksen. Überall wuseln winzige Wichtel in grünen Anzügen umher. Bei zweien erkennt er Namensschilder, sie heißen Quip und Flibber und summen eine fröhliche Melodie, während sie mit Pinsel, Hammer und Kleber an all den wunderbaren Dingen arbeiten, die sicherlich die besten Geschenke der Welt werden.
Doch gerade als er einen Schritt weiter in den Raum machen will, hört er eine scharfe Stimme. "Halt! Du darfst nicht einfach so rein!" Ein kleiner Wichtel mit einer spitzen Mütze und langen Augenbrauen, blickt Paul streng an. "Das ist doch ein geheimer Ort! Wie bist du überhaupt hergekommen?"
Paul zuckt zusammen, überrascht von der Entschlossenheit in der Stimme des Wichtels. "Oh, es tut mir leid! Ich wollte euch nicht stören", sagt er schnell und schaut sich um, als wollte er schon wieder hinausgehen.
Doch der Wichtel bleibt stehen, mustert Paul von oben bis unten und runzelt nachdenklich die Stirn. "Hmm... du bist ein neugieriger Mensch, was? Und das hier ist ein Ort nur für... besondere Gäste." Er schielt zu den anderen Wichteln, die fröhlich weiterarbeiten. "Vielleicht... bist du doch genau am richtigen Platz."
"Wirklich?" Paul blinzelt und schaut dem Wichtel hoffnungsvoll entgegen. Der nickt langsam und macht eine einladende Geste. "Na gut, komm rein. Aber du darfst unsere Geheimnisse nicht verraten!" Er öffnet die Tür hinter ihm. "Ich heiße Mip, und du bist also... ein neugieriger Junge, der den Zauber der Werkstatt spüren möchte?"
"Ich heiße Paul", sagt Paul, während er mit einem Lächeln weiter in die Werkstatt tritt. "Und ich werde natürlich keine Geheimnisse verraten!"
"Gut", sagt Mip und zwinkert ihm zu. "Dann komm, wir können deine Hilfe gut gebrauchen, denn Weihnachten steht vor der Tür und wir haben noch so viel Arbeit!"
Paul ist sofort begeistert und schließt sich den geschäftigen Wichteln an. Mip, der kleine Wichtel mit den blauen Haaren, führt Paul zu einem großen Tisch. Darauf liegen bereits allerlei Geschenke in glitzerndem Papier verpackt oder mit bunten Bändern zusammengebunden. "Siehst du, Paul", sagt Mip, "wir müssen sicherstellen, dass jedes Geschenk seine Magie behält. Ein ordentlich verpacktes Geschenk ist genauso wichtig wie die Zaubermagie selbst!"
"Man kann einem Geschenk Magie verleihen?", fragt Paul neugierig, während er auf die Päckchen starrt, die schon fast zu gut aussehen, um sie jemals zu öffnen.
"Klar, mit einer kleinen Portion Sternenstaub!", erklärt Mip und zwinkert. "Lass mich dir zeigen, wie das geht!"
Zuerst nimmt Mip einen kleinen Korb voller Sternenstaub-Kugeln und reicht ihn Paul. "Diese kleinen Kugeln sind aus purem Sternenstaub. Jede Kugel kann ein bisschen vom Zauber des Himmels in das Geschenk übertragen. Aber du musst gut aufpassen, sie werden zuerst zwischen den Fingern gerollt, aber nicht zu schnell, sonst verlieren sie ihren Glanz."
Paul nimmt eine der Kugeln und dreht sie vorsichtig in den Händen. Plötzlich beginnt sie, schwach zu leuchten, als würde sie das Licht eines fernen Universums widerspiegeln. "Wow! Das ist so schön!", staunt Paul.
"Genau!", lacht Mip. "Und jetzt kommt der spaßige Teil. Wenn du die Kugel in das Geschenkpapier einwickelst und das Päckchen mit einem magischen Band verschnürst, wird das Geschenk nicht nur hübsch, sondern auch mit einer besonderen Portion Magie versehen. Unter dem Weihnachtsbaum wird der Inhalt dann zu dem, was sich das Kind gewünscht hat. Ein Spielzeugauto, eine Puppe oder ein echtes Pferd."
"So einfach ist das?", fragt Paul ungläubig. Mip zwinkert bedeutungsschwer und ergänzt "Ja, man muss nur ein bisschen daran glauben".
Während Paul mit Feuereifer bei der Arbeit ist und die Sternenkugeln aktiviert, um sie in die Geschenke zu packen, bemerkt er ein leuchtend rotes Geschenk in der Ecke der Werkstatt. Es ist groß und geheimnisvoll. Mip erklärt ihm, dass dies das größte Geschenk sei, das sie je gemacht haben. "Es ist Freude für alle Herzen", sagt er mit leuchtenden Augen. Paul ist fasziniert und fragt sich, wie sie diese Freude erschaffen. Mip lächelt wissend und antwortet: "Mit Liebe, Vertrauen und natürlich dem kleinen Klecks Zauberkraft."
Die Wichtel arbeiten die ganze Nacht hindurch und Paul fühlt sich, als wäre er in einem wunderbaren Traum gefangen. Als die Dämmerung anbricht, sind die Geschenke bereit für ihre Reise. Die Wichtel versammeln sich im Kreis und jeder von ihnen legt seine Hand auf den fertigen Stapel und flüstert leise Worte, die Paul nicht versteht. Doch er spürt die Magie, die sich in der Luft sammelt. Schließlich werden die Geschenke vom Weihnachtsmann mit seinem Schlitten abgeholt, der sie in die Welt hinausträgt, um jedem ein Lächeln zu bringen.
Paul verabschiedet sich von seinen neuen Freunden, seine Taschen gefüllt mit funkelnden Erinnerungen. Als er den Rückweg durch den Wald antritt, fühlt er sich leicht und voller Zuversicht. Er weiß, dass er etwas Besonderes erlebt hat. Der Schnee knirscht unter seinen Stiefeln und die winterliche Stille wird nur durch sein leises Summen gebrochen, ein Lied, das ihm die Wichtel beigebracht haben.
"Der Sternenstaub, er fliegt im Wind,
mit Licht und Glanz, so fein geschwind.
Im Winterwald, da strahlt es hell,
der Wind, erzählt vom Märchenquell.
Sing und tanz im Sternenlicht,
bis der Morgen hereinbricht."
Zurück im Dorf wird Paul von seinen Freunden und seiner Familie mit Fragen überhäuft. Doch er lächelt nur geheimnisvoll und weiß, dass er das Geheimnis der Zauberwerkstatt bewahren wird.
Irgendwann wird er vielleicht zurückkehren, um erneut zu helfen und die Freude zu verteilen. Bis dahin trägt er das Erlebnis in seinem Herzen, bereit, seine eigene kleine Magie in die Welt zu tragen.
So endet Pauls Abenteuer im Winterwald, mit dem Wissen, dass jeder, der sein Herz öffnet, Freude finden wird. Und wer weiß, vielleicht trudelt das rote, ganz besondere, Geschenk eines Tages auch unter deinem Weihnachtsbaum ein. Was sollte sich für dich darin verbergen?