Ein Tag ohne Schuhe
Kilian springt aus dem Bett und merkt sofort, dass etwas fehlt. Seine Schuhe sind weg! Er durchsucht das ganze Zimmer, aber sie bleiben verschwunden. "Na gut", murmelt er, "dann eben barfuß."
Er schleicht sich leise die Treppe hinunter, um niemanden zu wecken. Die kühlen Fliesen kitzeln seine Füße und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Draußen empfängt ihn der Garten mit feuchtem Gras, das sich wie ein weicher Teppich anfühlt. Kilian spürt jede Unebenheit, jeden kleinen Stein und es ist, als ob die Welt ihm ein Geheimnis zuflüstert.
Auf dem Weg zur Schule trifft er auf seine Freundin Liora. "Ähm, sag mal wo sind denn deine Schuhe?", fragt sie neugierig. Kilian zuckt mit den Schultern. "Verschwunden. Aber weißt du was? Das ist gar nicht so schlimm." Liora lacht und zieht ihre eigenen Schuhe aus. "Weißt du was, dann geh ich heute auch barfuß!"
Gemeinsam laufen sie über den Kiesweg, der unter ihren Füßen knirscht. Jeder Schritt ist ein kleines Abenteuer. Sie entdecken, dass die Welt voller Überraschungen steckt, wenn man sie ohne Schuhe erkundet. Der Asphalt der Straße ist schon warm von der Sonne und die Pfützen vom Regen der Nacht sind erfrischend kühl.
In der Schule staunen die anderen Kinder nicht schlecht. "Warum seid ihr barfuß?", fragt Timo, der immer alles ganz genau wissen will. "Schuhe verschwunden und weil es Spaß macht!", antwortet Liora fröhlich und selbstbewusst. Und tatsächlich, nach und nach ziehen auch die anderen Kinder ihre Schuhe aus.
Nach der Schule beschließen Kilian und Liora, einen neuen Weg nach Hause zu nehmen. Sie biegen in einen kleinen Pfad ein, der von Bäumen umgeben ist. Der Boden ist weich und voller Laub, es raschelt bei jedem Schritt. Plötzlich entdecken sie eine kleine Lichtung, auf der bunte Blumen blühen. "Hier war ich noch nie", staunt Kilian. Liora nickt. "Total schön hier, es ist wie ein geheimer Garten."
Die beiden setzen sich ins Gras und genießen die Ruhe. Die Sonne wärmt ihre Gesichter und ein leichter Wind streicht durch die Zehen. Kilian schließt die Augen und fühlt sich mit der Welt verbunden. "Vielleicht sollten wir öfter barfuß laufen", schlägt er vor. Liora lächelt. "Ja, das sollten wir echt."
Als sie schließlich nach Hause kommen, warten Kilians Eltern schon auf ihn. "Wo sind denn deine Schuhe?", fragt seine Mutter erschrocken. Kilian zuckt mit den Schultern. "Keine Ahnung. Aber ich habe sie heute auch nicht vermisst."
Am Abend, als Kilian mit frisch gewaschenen Füßen im Bett liegt, denkt er an den Tag zurück. An die vielen kleinen Abenteuer, die er erlebt hat. Er schließt die Augen und lächelt. Vielleicht findet er seine Schuhe morgen wieder. Vielleicht auch nicht. Aber das ist ihm egal. Denn er hat etwas viel Wertvolleres gefunden: die Freude am Entdecken und die Freiheit, die in jedem Schritt steckt.
Und während er einschläft, träumt er von neuen Wegen, die er noch erkunden will - barfuß, versteht sich.