Der Tag der offenen Werkstatt
Yara steht mit großen Augen vor der Werkstatt, die heute ihre Türen für alle neugierigen Besucher öffnet.
Statt nach Motoröl riecht es diesmal nach frischem Gummi und ein bisschen nach Metall. Bunte Lichter leuchten über dem Eingang, und ein großes Schild begrüßt alle mit den Worten: "Willkommen zum Tag der offenen Werkstatt - Autos der Zukunft entdecken!"
Drinnen herrscht ein reges Treiben. Überall stehen glänzende Fahrzeuge - manche mit großen Batterien statt Motoren, andere mit Solarpaneelen auf dem Dach. Mechanikerinnen und Mechaniker in grauen Overalls erklären Kindern und Eltern, wie Autos heute funktionieren.
Yara bleibt vor einem Elektroauto stehen, das auf einer Hebebühne schwebt. Unten drunter sieht alles ganz anders aus, als sie es erwartet hatte: kein Auspuff, kein Motorblock, nur glatte Flächen, Kabel und silberne Metallplatten.
"Neugierig, was das ist?", fragt Herr Müller, der Werkstattmeister und lächelt. "Komm ruhig näher, Yara. Ich zeig dir, wie ein Auto ohne Benzin funktioniert."
Yara tritt heran und schaut nach oben. "Das da unten ist die Batterie", erklärt Herr Müller und klopft auf das große, flache Bauteil unter dem Wagen. "Sie liefert die Energie, die das Auto antreibt - ähnlich wie der Tank eines Benzinautos, aber elektrisch."
"Und das hier?", fragt Yara.
"Das ist der Elektromotor", sagt Herr Müller. "Viel kleiner und leiser als die alten Motoren, und er läuft mit Strom statt mit Benzin."
Yara nickt begeistert. "Und wofür ist das Teil hier?"
"Das ist die Kühlung für die Batterie", erklärt Herr Müller. "Die Batterie muss während des Betriebs kühl gehalten werden, damit sie optimal arbeitet."
In einer Ecke der Werkstatt summen Computer. Auf den Bildschirmen fließen bunte Linien und Zahlen. "Früher haben wir viel mit Schraubenschlüsseln gearbeitet", erklärt Herr Müller. "Heute sind wir auch halbe IT-Profis. Autos sind heute voll von Sensoren und Daten. Sie 'sprechen' mit uns - wir müssen wissen, was sie uns sagen."
Er zeigt Yara, wie ein Kabel an das Auto angeschlossen wird. Auf dem Monitor erscheinen Symbole, Ladezustände und Temperaturanzeigen. "Damit sehen wir, ob alles richtig funktioniert, ohne das Auto auseinanderzunehmen."
Yara staunt. "Das ist ja fast wie bei einem Tablet!"
Herr Müller lacht. "Genau. Nur ein bisschen größer und teurer."
Dann darf Yara selbst etwas ausprobieren. Sie bekommt einen kleinen Schraubendreher und hilft, eine Abdeckung über einem Sensorkabel zu befestigen. "Ganz vorsichtig, nicht zu fest", sagt Herr Müller. Yara dreht konzentriert - und schafft es auf Anhieb.
"Perfekt!", lobt er. "Du hast ein gutes Händchen dafür."
Zum Abschied bekommt sie ein Miniaturauto, das gleichzeitig eine Taschenlampe ist - mit einer kleinen Solarzelle darauf, die es auflädt. "Damit du siehst, dass Energie überall stecken kann - man muss sie nur richtig nutzen", sagt Herr Müller und zeigt, wie die Sonne das kleine Auto mit Licht versorgt. "Und wenn du es dreht, wird es zur Taschenlampe, die dir in der Dunkelheit den Weg leuchten kann."
Auf dem Heimweg denkt Yara über all das nach, was sie gesehen hat. Früher dachte sie, Autos wären laut und rochen nach Benzin. Jetzt weiß sie, dass sie leise, sauber und voller Technik sein können. Vielleicht wird sie später mal Mechanikerin oder Ingenieurin, die an neuen Batterien oder Motoren arbeitet. Sie stellt sich vor, wie sie selbst an einem Elektroauto arbeitet, das durch eine unsichtbare Verbindung mit einem Computer 'spricht'.
Als sie aus dem Fenster schaut, sieht sie auf der Straße ein Elektroauto lautlos vorbeigleiten. Yara lächelt. Die Zukunft surrt - und sie will irgendwann ein Teil davon sein.